Gastartikel: Wir wollen keine Manager sein? Doch – nur auf eine neue, kreativere Weise!

IMG_20130328_211959Gestern Abend bemerkte ich einen beeindruckenden Kommentar hier im Blog. So beeindruckend, dass ich die Verfasserin gebeten habe, ihn hier als Gastbeitrag nochmal veröffentlichen zu dürfen. Linda, Jahrgang ’89, schreibt aus Ihrer Sicht über die Veränderungen von Führung. Aber lest selbst:

Wir wollen keine Manager sein? Doch – nur auf eine neue, kreativere Weise!

Generation Y: why. Why? Unsere Generation weiß nicht was sie will, kann sich nicht entscheiden („Weicheier“) und stellt alles in Frage. Gut so: auf diese Weise werden herrschende Modelle durchleuchtet und neu erfunden. Eigentlich nicht anders, als es in den 60ern geschah, nur dass unsere Revolte leiser verläuft. Etwas unbemerkter. Gerade weil ja der Tenor herrscht, wir könnten nach der rebellischen Generation unserer Eltern gar nicht noch mehr in Frage stellen. Aber wir können: Mit dem Fall der Moderne und der Entstehung der Postmoderne – wohlgemerkt aus der Hippiekultur heraus – hat sich das klassische Bild der Führungskräfte verändert. Ein guter Chef muss jetzt zuhören und kreativ führen. Bei seinen Mitarbeitern beliebt sein. Kreativität hat sowieso in allen Lebensbereichen Einzug gehalten. Aus dem Privatleben und Praktiken der Hippie Subkultur hat sie sich seit spätestens der 80er Jahre in den Mainstream hervorgekämpft.

Aber Kreativität und damit einhergehende Individualität sind nicht alles. Ein bürgerliches Selbstmanagement hat sich zu diesen Errungenschaften der Counter Culture hinzugesellt. Wir sind empowered (s. Andreas Reckwitz). Durch die „Beschleunigung der Welt“ sind wir darin trainiert nicht nur uns, sondern verschiedenste Projekte parallel zu managen. Studium, Job(s), Auslandspraktika, (soziales) Engagement. Damit einher gehen unzählige Umzüge, denn wir sind so flexibel wie nie. Diese flexible, freie und kreative Lebensweise wollen wir nun auch auf die Arbeit übertragen.

Ein guter Manager ist in unseren Augen nicht nur kreativ – sondern über die alleinige Sphäre der Arbeit hinaus verantwortungsvoll. Verantwortung zeigt man nicht nur durch die Führung seiner Mitarbeiter. Verantwortung trägt man zugleich gegenüber seiner Familie und seinen Freunden. Sich dieser Aufgabe als Muttter/Vater/Freund/Freundin mit der Ausrede „auf der Arbeit viel zu tun zu haben“ nicht zu entziehen, zeigt wahre Stärke. Diese Erfahrung aus dem Privatleben kann ein Chef wiederum in seine berufliche Praxis mitnehmen – und seine Kollegen mit unterschiedlichsten Lebenssituationen verstehen. Manager brauchen daher mehr Zeit für andere Projekte als nur ihren Hauptberuf.

Ein neues, nachhaltiges Modell sind Führungspositionen mit einer 75%igen Arbeitszeit. Damit immer ein Ansprechpartner für wichtige Entscheidungen vor Ort ist, wird eine Position mit zwei Kräften besetzt. „Chefsein“ wird so zur Teamaufgabe. Entscheidungen gerechtfertigter, da immer eine gleichberechtigte Person mitentscheidet. Der Partner kann aber auch ohne Probleme schnell unter die Arme greifen und einspringen. Unsere Leistung besteht in dem unglaublich effizienten und kreativen Management von verschiedensten parallel verlaufenden Projekten. Wer nur Teilzeit seinem Hauptberuf nachgeht kann auch über das Studium hinaus sein Engagement weiter verfolgen und der Gesellschaft mehr zurückgeben als nur über sich selbst als Wirtschaftskraft!

Generation Y: warum nur für ein Projekt alles geben wenn man parallel dazu noch mehr bewegen kann?

Linda hat gerade ihren deutsch-französischen Bachelor in „Europäische Medienkultur“ in Weimar und Lyon abgeschlossen und ihre Abschlussarbeit passender Weise über die Marketingkommunikation von Diesel geschrieben – einem der Musterunternehmen für Generation Y Marketing.

Vielen Dank für diesen tollen Artikel, Linda!

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5 Kommentare
  1. Christopher Haehner sagte:

    Statement: Top! Ich bin vor kurzem gefragt worden, ob die Generation Y nicht am eigenen Anspruch zerbricht („eierlegende Woll-Milch-Sau“)? Nein, denn was die Generation Y wirklich ausmacht, ist ihr entspannter, aber nicht ungueltiger Umgang mit dem Umfeld und den ihr gestellten Herausforderungen. Der Vorwurf der Illoyalitaet ist heuchlerisch, zeigt er doch nur das Unverstaendnis des derzeit mittleren Management, welches sich nicht einfuehlen kann in die Generation Y (und vielleicht auch gar nicht will). Die Generation Y begruendet sich m.E. auf eine simple Basisformel: wdwdwwd? (oder: why do we do what we do?), wir hinterfragen. Nicht wie die 68’er um des Hinterfragen-willens, sondern um in einem kreativen, zielgerichteten Umfeld Loesungen zu finden. Loesungen, deren Nachhaltigkeit keine leere Worthuelse ist, sondern sich manifestiert im ganzheitlichen Ansatz der Loesung. Sowohl dem UN, in dem man arbeitet, deren Mitarbeiter, Kollegen aber auch den Kunden, der Umwelt und letztlich gegenueber der Familie und den Freunden gegenueber. Die Loesungen erscheinen einigen der nicht Generation Y Gruppen, daher zu komplex, zu umstaendlich, aber gerade die Zielstrebigkeit, diese Loesungen umzusetzen, gepaart mit der ihr inne wohnenden Laessigkeit in der Erarbeitung komplexer Loesungen macht die Generation Y zu einem Typus, der sich in Deutschland, Europa immer mehr durchsetzen wird, ohne die kulturelle Revolution auf Barrikaden auszurufen.

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