Freiheit für alle – oder nicht?

One Microsoft Way
Arbeiten wannimmer und woimmer man möchte, ohne zeitliche oder örtliche Beschränkungen – ein Traum, oder?! Ausgelöst durch einen ZEIT Artikel über die vollkommene Flexibilisierung der Arbeit bei Microsoft und am Kochen gehalten durch eine Frage von Stephan Grabmeier, Culture Initiative Experte der Telekom, an sein XING Netzwerk (s. screenshot) lässt mich das Thema nicht so recht los. Denn ich glaube, es ist gar nicht so einfach mit der Flexibilität von Arbeitszeit und Arbeitsort in Unternehmen.

Was macht Microsoft (DIE ZEIT, 10.11.2011 Nr. 4)?

Erstens: Feste Arbeitszeiten sind praktisch abgeschafft. Zweitens: Präsenz am Schreibtisch unter den Augen des Chefs ist nicht gefragt. Nur die Arbeitsresultate müssen, drittens, stimmen.

Maximale Freiheit, rein ergebnisorientiert. Das passt zur Generation Y, wie auch das Zitat der 26 jährigen Microsoft Mitarbeiterin Melanie Lorberg zum Thema zeigt:

 »Ach was. Wir arbeiten in meiner Generation doch alle viel. Mir ist nur wichtig, dass ich meine Arbeit in mein Leben integrieren kann und nicht mein Leben in meine Arbeit einpassen muss.«

Mhmm, richtig. Und es ist meine feste Überzeugung, dass zukunftssichere Unternehmen ihren Mitarbeitern Flexibilität bieten müssen. Ich glaube aber gleichzeitig, dass sie ihnen Sicherheit bieten müssen. Undzwar aus denselben Gründen: um Mitarbeitermotivation und -bindung hoch  zu halten. Sicherheit bedeutet in diesem Zusammenhang klare Regeln, die den einen maximale Flexibilität erlauben, den anderen eine Orientierung bieten, wann sie genug gearbeitet haben. Denn obgleich die meisten Millenials sich flexibles Arbeiten wünschen, gibt es gleichzeitig in Betrieben Mitarbeiter, denen es lieber ist, Arbeit und Privatleben nach wie vor zeitlich zu trennen und denen ein fester Schreibtisch wichtig im Arbeitsleben ist. Und die Mehrheit der Unternehmen IST in der Regel heterogen zusammen gesetzt (Nein, das Google Beispiel zählt hier nicht…) und muss allen Gruppen ein attraktiver Arbeitgeber sein.

Denn nicht vergessen darf man bei der Diskussion, dass eine vollkommene Arbeitsfreiheit ein hohes Maß an Disziplin und Selbstbewusstsein fordert: das Selbstbewusstsein Dinge liegen zu lassen, mit dem Leistungsdruck umgehen zu können, und die Disziplin seine Work-Life Balance bewusst zu managen. Jeder Selbstständige kann ein Lied davon singen, wie schwierig das ist. Es sind hohe Anforderungen, denen nicht alle gerecht werden – oder nicht gerecht werden wollen. Ein Arbeitgeber, der hier unterstützt und Flexibilität im Rahmen klarer Regelungen anbietet, wird in meinen Augen in Zukunft der erfolgreichere und attraktivere sein – für alle Anspruchsgruppen.

Gut fand ich das Beispiel gleich im ersten Kommentar: flexible Zeiten mit fixer Gesamtarbeitszeit. Das geht in eine Richtung, die ich mir gut für die Zukunft der Arbeit vorstellen kann:

Kommentar: „(…) Also wir haben bei uns flexible ArbeitsZEITEN mit Zielvereinbarungen, allerdings bei einer fixen Gesamtarbeitszeit. Wobei die durch Stundenkontos durchaus von Woche zu Woche variieren kann…“

Überhaupt waren die Kommentare mindestens ebenso spannend wie der Artikel, zeigt die Diskussion doch, wie schwierig ein Umgang mit Freiheit und Flexibilität ist.

Und wie die Experten der 600 Minutes Veranstaltung mit Stephan Grabmeier geantwortet hätten, hätte ich trotzdem zu gern gewusst.

Pic: ToddABishop

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4 Kommentare
  1. Sehr gute Fragen Christoph und Danke für die Aufbereitung hier. Sehr gute Sache die Microsoft da macht, ohne Frage.
    Gut durchdachte Konzepte die auch klare Strukturen vorgeben und trotzdem Freiheit geben, sind der Schlüssel. Ich denke in einem Unternehmen wird es immer Hierarchien geben und somit immer Strukturen, die Gen Y hat klare Ansprüche und bringt schon viel gelerntes mit, eine Art digital-Habitus würde ich sagen. Aber sie sind in hierarchischen Unternehmensstrukturen trotzdem Anfänger und müssen gezwungenermaßen lernen.

    Ich finde ja man sollte sich zu allererst auf das Thema Führung fokussieren. Ein Chef der versteht seine Mitarbeiter zu motivieren, zu fördern und zu fordern ist auch mit klassischen Arbeitszeiten dreimal besser als ein empathieloser Führungsdilettant der Überforderung durch Strenge kompensiert.
    What’ya say?

  2. Martin Vaßen sagte:

    Danke für das aufgreifen des Themas. Auch ich wäre neugierig wie die „Nicht-Googles“ dieser Welt mit diesem potentiellen Culture-Clash umgehen. Wie mein Vorredner schon angedeutet hat bedarf es sicherlich eines Lernprozesses auf beiden Seiten. Allerdings sind die „Gen X-Manager“ diejenigen die die Bedingungen vorgeben. Sollten die „Gen Y Mitarbeiter“ diese Bedingungen auch dann „akzeptieren“ wenn sie gegen den eigenen Lebensentwurf wirken?

    Bleibt einem also nur das „ertragen“ oder das weiterziehen als Jobnomade bis dann auch mal die Mehrheit der Arbeitgeber die Zeichen der Zeit erkannt hat weil ihr sonst die Fachkräfte ausgehen? Oder soll man als „Betroffener“ dann doch eher offensiv den Dialog suchen und im Zweifel die „Evolution“ selbst vorantreiben – und wenn ja wie? Wäre interssiert an euren Ideen!

    Martin

  3. Aktiv mitgestalten geht, am meisten Spaß macht es definitiv mit dem eigenen Startup, aber nicht jeder ist zum Unternehmer geboren. Sich in die Konzernpolitik reinzuarbeiten, die Prozess-Bürokratie geschickt zu umschiffen und dann Veränderung zu schaffen geht auch, ist aber für die allermeisten auch nichts.

    Evolution und Revolution, das geht ein Stückweit zusammen, ich glaube Veränderung kann nicht ohne Schmerzen vonstatten gehen. Angesichts der Trägheit die doch hierzulande in so vielen Chefetagen herrscht, wundert es mich doch stark, dass nicht allein schon der wirtschaftliche Druck reihenweise Unternehmen zu umfassenden unternehmenskulturellen und organisatorischen Veränderungen zwingt. Zumindest halten sich die Meldungen dazu in Grenzen.

    Ich mag Veränderung, es hält den Kopf frei, verhindert Trägheit man setzt kein Sitzfleisch an. Aber du hast mit Recht gefragt was die Werkzeuge zur Veränderung sind, Martin. Ich habe da eine Vision, ich glaube die Generation Y wird erwachsen, hat die Ärmel hochgekrempelt. Es ist Zeit, hier (http://bit.ly/ManiFesto) ein von mir angestoßenes Projekt um ein Fundament für den Wandel zu gießen. Ich freue mich über jede Beteiligung, Christoph? Martin?

  4. Colin sagte:

    Gut gefuehrter Blog, gefaellt mir super. Auch gute Themen.

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