Faules Pack, diese Jugend!

ZEIT Generation Y Titel 07.03.13Och bitte, liebe Journalisten! Ich weiß ja, dass Überspitzung ein Stilmittel ist, was insbesondere gerne bei Überschriften eingesetzt wird. Aber es reicht langsam. Was haben wir in den vergangenen Monaten alles gelesen: “Generation Weichei”, “Wählerisch wie eine Diva beim Dorftanztee”, “Die Kuschelkohorte” – der Kollege Nico Rose hat auf seinem Blog dazu eine wunderbare kleine Sammlung veröffentlicht. Und heute titelt die ZEIT (07.03.2013, No. 11) mit “Faul und schlau! Die Generation der 20-30 jährigen”. Dabei ist es eigentlich ganz toll, dass die ZEIT als große Wochenzeitung das Thema Generation Y nicht nur als Aufmacher verwendet, sondern ihm auch noch drei ganze Seiten in ihrem Wirtschafts- (und nicht etwa im Karriere)teil widmet! Undzwar mit hervorragend recherchierten und geschriebenen Artikeln und Interviews und genau der differenzierten Darstellung, die in der öffentlichen Diskussion so gerne unter den Tisch fällt – und die guten Journalismus ausmacht. Dasselbe Phänomen übrigens auch im Gen Y Beitrag des manager magazins. Ein super Artikel – aber eine Überschrift, die an Plattheit nicht zu überbieten ist. Warum brauchen die Artikel das? Ich spreche mich nicht gegen provokante Titel aus, im Gegenteil, sie sind zurecht genau der Anstoß, den es braucht, um Leser zu interessieren. Aber doch nicht immer wieder dieselben Platitüden auf Stammtisch Niveau. Das wird dem Thema auch nicht gerecht, da es die Generationsthematik auf den ersten Blick auf ein vermeintliches “Jugendthema” reduziert. Und das ist ein gelernter Dauerbrenner, über den man sich schon immer gerne aufgeregt hat, den aber niemand wirklich ernst nimmt.

“Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte.” Das Zitat, das Sokrates zugesprochen wird, geht genau in dieselbe Richtung -  und damit lässt sich wunderbar auch dieses Generation Y Getue als vorübergehende Erscheinung abtun, die sich abnutzt, sobald die jungen Menschen mal erwachsen werden. Aber weit gefehlt. Nicht allein aus Gründen des demografischen Wandels und Fachkräftemangels hat die Generation der heute 20-30 jährigen einen gewichtigen Einfluß auf die Gesellschaft und Arbeitswelt. Sie sind gleichzeitig die Speerspitze gesamt gesellschaftlicher Veränderungen, die langsam aber unaufhaltbar alle Generationen durchziehen und uns alle damit angehen. Megatrends wie Individualisierung, Veränderungen durch Technologisierung und Globalisierung, Female Shift beeinflussen längst das Verhalten von Babyboomern, Generation X etc. ebenso wie die ins Scheinwerferlicht gezerrten Millennials. Letzeren wird nur mehr Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie -  geprägt durch diese Megatrends – am deutlichsten Veränderungen von Gesellschaft und Arbeitswelt erwarten und fordern. Stellen wir das bitte nicht als jugendliche Grillen dar, sondern als das, was es tatsächlich ist: Symptome einer sich immer schneller veränderten Welt, mit der sich lange gewachsene Systeme, wie es die meisten Unternehmen sind, schwer tun. Neue Überschriften braucht das Land.

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7 Kommentare
  1. jormason sagte:

    Tja…so boxt man sich durch in der reizüberfluteten Welt von heute. Nicht.

    Finde ich schlecht, einschränkend und sinnlos provozierend. Aber wenn die Ü-30 das dann eher liest, why not? Die brauchen die Infos ja auch! (gemein, ich weiß)

  2. Ein Privileg des Alters: Ungeniert Besserwissen!

    “Die Jugend liebt heute den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte.” Das Zitat, das Sokrates zugesprochen wird, geht genau in dieselbe Richtung”
    Wirklich?
    “QI has determined that the author of the quote is not someone famous or ancient.
    It was crafted by a student, Kenneth John Freeman, for his Cambridge dissertation published in 1907.”

    http://quoteinvestigator.com/2010/05/01/misbehaving-children-in-ancient-times/

    Wobei ich dem natuerllich trotzdem uneingeschraenkt zustimme :-D

    • Ah Danke – ich hatte nur die Diskussion an verschiedenen Stellen gefunden und deshalb absichtlich nur “zugesprochen” geschrieben. Schade, griechische Gelehrte wirken immer so respekteinflößend ;-)

  3. Andreas sagte:

    Liebe Babyboomer, Generation X oder sonst noch an alles über den 35…

    Man liest ja immer, dass wir „Millenials“, Generation Praktikum oder was auch immer so ganz verwöhnt sind, nur auf dem Sprung und sofern man manchen Äußerungen glauben mag, „von Tuten und Blasen“ ja sowieso keine Ahnung haben. So wie hier in diesem schönen Zeit Artikel…

    Nu denn, dann last mich – selbst ein Vertreter der Generation – euch ihr lieben „Silversurver“ einmal mit einer satirischen (und nicht immer ganz ernst gemeinten) Note, ein bisschen die Sicht aus unserer Perspektive erläutern… ( Stichwort: lebenslanges Lernen ;-) )

    In frühen Jahren von euch aufgezogen, haben wir damals gelernt, das Teamarbeit ja so wichtig sei, und dass man sonst im Berufsleben nicht mehr weiterkommt. Oder, dass alles nicht nur Vorteile hat… sondern auch Nachteile…. oder dass man ja „auch“ mit dem Computer arbeiten können muss… sonst könne man ja im Berufsleben nicht bestehen. Und Sprachen, ganz wichtig, man geht ja sofort unter im Beruf, bzw. findet bei 5 Mio. Arbeitslosen sonst 1000%ig überhaupt keinen Arbeitsplatz…und die im Fernost, die sind doch sowieso alle besser.. und…und…und..

    Na, erinnert ihr euch?

    Zugegeben, nicht immer haben wir uns all der Dinge, (die ja so super wichtig sind) angenommen. Oft haben wir gebockt, war das Counterstrike auch das eine oder andere mal wichtiger… oder das Chatten am heimischen Computer. Aber nichts desto trotz haben wir immer schön brav euch zugehört und haben uns eure Ratschläge („Hör doch gefälligst auf jemanden der Erfahrung hat“) zu Herzen genommen.
    Und das ganze, während wir mitbekommen haben, wie Vater spät abends heimkam und zu fertig war sich um uns zu kümmern. So fertig, dass er mit 50 reif für die Reha war oder gar schlimmeres.

    Nebenbei als wir etwas älter wurden (Agenda 2010 als Stichwort) erlebten wir, wie Menschen gekündigt wurden, um sie kurz darauf wieder mit 30% weniger Gehalt einzustellen. Oder der Nachbar von nebenan, der grundsätzlich nur erstmals befristet einen sorry ich meinte mehrere befristete Verträge erhielt. Der so, – man erinnere sich vielleicht an „Elterngespräche“ wenn man auf Besuch war – nicht mehr wusste wie er seine Familie ernähren solle. Oder der liebe Kollege aus der Arbeit, der viele Jahre loyal zu seinem Arbeitgeber war. Gestern das 25 jährige Jubiläum und am nächsten Tag wurde im mitgeteilt, dass er seine „Arbeitskraft dem Markt zur Verfügung stellen kann“.

    Naaaa…. erinnert ihr euch auch daran???

    Aber nichts desto trotz, haben wir immer schön brav weitergemacht… („Lehrjahre sind ja keine Herrenjahre“) haben mehrere Schulen besucht, vielleicht mehrere Ausbildungen absolviert, haben an der Berufsakademie studiert, wollten ja schließlich nicht der „faule Student/in“ sein… (Ach ja kleine Anekdote… Original Zitat eines Personaler: „Das Lotterleben an der Uni, wär das denn nichts für Sie?“)
    Aber ich will gar nicht zu weit ausschweifen, so sind wir jedenfalls unseren Weg auch an die Hochschulen gegangen…..
    Das Ganze mit dem seit Kindheit eingebläuten Tatsachen, das wir ja sowieso nur überleben wenn wir 200% geben, das es auf Wissen ankommt, das wir ja nicht teamfähig seien und nur auf unseren eigenen Vorteil bedacht sind ( „ihr seid doch nur Student geworden, damit ihr saufen könnt…“) und und und.
    Und was erlebten wir an der Uni? Professoren, deren Ego größer wie Frankfurter Flughafen ist, aber für den Tageslichtprojektor (an Beamer denken wir ja noch gar nicht mal) den Hausmeister brauchen. Oder das man manchmal mit einer Antwort aus Wikipedia weiter kam als die heiße Luft auf die Antwort eines Professors (wenn man nicht schon aufgrund der Frage als „minderbegabte Persönlichkeit“ bezeichnet wurde).
    Aber das haben wir alles ertragen, nicht immer ohne Bauchgrollen. Genauso wie Klausuren, die nichts anderes zum Ziel hatten wie zu „sieben“.
    Wir wunderten uns nur, dass sich die Professoren manchmal in benachbarten Fächern im ein und denselben Semester sich gegenseitig widersprochen haben.
    Wir wunderten uns, warum uns in einem Satz eingebläut wurde kritisch zu sein, (man soll ja wissenschaftlich arbeiten) aber man(n) im nächsten Satz als respektlos beschimpft wurde, wenn man die Aussage des Profs kritisch hinterfragt hatte.
    Nun ja… zu mindestens lernten wir in der Marketing Vorlesung dass das Image nicht immer unbedingt mit der Realität was zu tun haben muss, und das es darauf auch nicht unbedingt drauf ankommt. Es sei ja nur das Bild im Kopf des Kunden wichtig…..AAAAAHHHHAAAA!

    Und nur so nebenbei… beim Auslandssemester haben wir schon damals erlebt, dass woanders nicht alles besser ist…. sondern nur „anders“.

    So und nun nach all den „Qualen und Leiden“, den manchmal nur allzu „einzigartigen“ Vorlesungen hatten wir dann irgendwann nun auch noch unser Diplom oder den Bachelor in der Tasche und wurden auf die Berufswelt losgelassen.

    Und nun wundert ihr euch allen Ernstes wenn wir in das Berufsleben kommen so anders sind?

    Ihr wundert euch, dass wir nachfragen was „internationales Arbeitsumfeld“ aus eurer Hochglanzimagebroschüre konkret bedeutet? ( Stichwort Bild im Kopf des „Kunden“!)

    Ihr wundert euch warum wir nach Arbeitskultur fragen wo wir doch gelernt haben, dass in einem Unternehmen Philosophie ungleich Kultur sein kann?

    Ihr wundert euch, warum wir nach Feedback fragen? Schon mal auf die Idee gekommen, das wir vielleicht mal was von euch und euren Erfahrungen lernen wollen? („Hör doch mal auf die mit Erfahrung“)

    Ihr wundert euch, dass wir die Kommunikationstechniken, die es im „Gesprächsseminar“ an der HS gab im Vorstellungsgespräch anwenden? Was würdet ihr sagen, wenn wir später auf Schulung gehen und das gelernte nicht anwenden würden? (Halleluja!)

    Ihr wundert euch, dass wir nach Work- Live Balance fragen, wo wir doch erlebt haben, das unsere Väter sich überarbeitet haben und mit Anfang 60 nur noch körperliche Wracks sind? Und dann noch wie ein Stückchen „körperliche Ausscheidung“ behandelt wurden?

    Ihr fragt euch, warum uns Geld nicht sooo wichtig ist? Was bringt mir eine Millionen auf dem Konto, wenn ich so viel arbeiten muss, dass ich einen „Ehepartner/in“ brauch der/die das Geld ausgibt?

    Warum soll ich 24/7 arbeiten, nur damit mich mein Sohn oder Tochter in einem Jahr „Onkel“ oder „Tante“ nennt?

    Ihr wundert euch allen erstes, dass wir diesem egomäßigen Imponiergehabe einfach leid sind, wenn ich durch einfaches Fragen eines Netzwerkfreundes eine Antwort bekomme mit der ich mehr anfangen kann. („Ihr müsst effizient sein“. Und mit so was sind wir effizient. Punkt!)

    Warum sollen wir uns in stickigen, im Sommer reinen „Brutstationen“ (auch Großraumbüro genannt) rumquälen nur damit der „Chef“ sein Ego geschmeichelt sieht? Am Baggersee mit Laptop/Ipad & UMTS Stick arbeitet es sich viel schneller und besser.
    (Man könnte es auch wirtschaftlich nennen. FYI: laut Google und Regel für Arbeitsstätten ASR 3.5 sind Räume oberhalb von 35° nicht mehr als Arbeitsraum geeignet ;-))

    Und zu guter Letzt: Warum wundert ihr euch wenn wir versuchen viele Dinge (ergo. Fächer & Disziplinen) miteinander zu Verknüpfen und Dinge weiterzuspinnen?????

    Last uns doch ein ganz einfaches (natürlich nicht ernst gemeintes) Beispiel machen:
    Nehmen wir doch ganz einfach einmal an, mit fortschreitendem „temporalem Humankapital“ ist bei uns Männern die Prostata nicht mehr so wie sie früher einmal war…

    Glaubt ihr allen erstes wenn eure Prostata und damit ergo die Blase mal nicht mehr so kann, dass da „nur“ was ausläuft?

    Oder das vielleicht auch eure Hose nasswerden könnte und damit das Leder des „Midlifecrisis Sportwagen“ den Geruch annehmen könnte?
    Und …nur so nebenbei.. bei der hübschen jungen Beifahrerin mit den 12cm Heels kommt der Geruch sicherlich nicht so gut an ;-P

    In diesem (nun wieder ernst gemeinten) Sinne, lasst euch sagen: Wir sind nicht „faul“ oder haben „keinen Bock“. Wir sind einfach nur anders. Und so ehrlich zu uns selber, dass wir uns eingestanden haben, dass arbeiten & Aufstieg eben nicht alles ist. Und mancher Preis schlicht und ergreifend einfach zu hoch ist.
    Schließlich wollen wir irgendwann (jedes Leben endet ja bekanntlich tödlich) einfach später mal sagen können, dass wir ein schönes und erfülltes Leben hatten. Und nicht auf dem Sterbebett feststellen, dass wir eigentlich nicht „gelebt“ haben.

    That´s it!

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